15. August – Höhepunkt des griechischen Sommers

12. August 2010

panigyri1

Der 15. August ist einer der bedeutendsten Feiertage in Griechenland

Er teilt den Sommer in zwei Teile. „Prin apo tin Panagia?“ („Vor der Muttergottes?“) oder „meta tin Panagia ? („nach der Muttergottes?“) lautet oft die Frage. „Panagía “ (gesprochen Panajia mit Betonung auf dem ‚i‘ ) ist einer der Namen, mit denen im Griechischen die Muttergottes bezeichnet wird. Gemeint ist in dieser Frage das Fest, das wir als Mariä Himmelfahrt kennen und das am 15. August (sowie teils auch schon dessen Vortag ) gefeiert wird. In Griechenland heißt es „Entschlafung der Gottesmutter“ (Kimisis tis Theotokou), da die orthodoxe Kirche nicht an eine Himmelfahrt der Muttergottes glaubt.

Fast ist es, als teile das Fest nicht nur den Sommer in zwei Hälften, sondern das ganze Jahr. Ist es vorbei, so beginnt man, sich „einen guten Winter“ (Kalo Chimona) zu wünschen, ganz so als läge da nicht noch der ganze Herbst dazwischen. Tatsächlich ist das Jahr in Griechenland mehr zweigeteilt als bei uns. Obwohl der September und in weiten Teilen auch noch der Oktober zumeist noch sonnig und warm sind und sich hervorragend sowohl für einen Bade-, als auch für einen Wander- oder Besichtigungsurlaub eignen, endet der große Touristenansturm mit dem Ende des Monats August. Das liegt teils daran, dass die meisten Griechen im August Urlaub haben. Doch auch internationale Touristen haben noch kaum die Vorzüge der nicht mehr so heißen Herbstzeit entdeckt oder sind wegen der Kinder auf die Ferienzeit angewiesen. Ab Mitte September schließen immer mehr Saisongeschäfte und Vermieter von Ferienquartieren.

Die „große Schlacht des Sommers“ ist geschlagen. Nun steht mit der Olivenernte die „große Schlacht des Winters“ an. Viele Griechen, die ansonsten kaum Reichtümer besitzen und sich ihren Lebensunterhalt mühsam mit Landwirtschaft, Fischerei und vielleicht wenigen vermieteten Gästezimmern verdienen, nennen nichtsdestotrotz beträchtliche Flächen mit Olivenbäumen ihr Eigen. Die gilt es nun ab November abzuernten. Ein mühsames Unterfangen. Denn oft sind die Flächen nicht zusammenhängend, sondern weit verstreut, schlimmstenfalls über mehrere Inseln. Oft befinden sie sich in Steillagen.
Viele, die saisonal in den Feriengebieten tätig waren, suchen nun in den Städten, manchmal sogar im Ausland Arbeit. Fremdarbeiter – heute oft Albaner – , die im Sommer in der Tourismusbranche gearbeitet haben, müssen sich einen neuen Job als Erntehelfer oder Bauarbeiter suchen oder kehren für einige Monate in ihre Heimat zurück. Ältere Griechen nutzen oft die Wintermonate, um ihre Kinder in Athen oder fernen Ländern zu besuchen.

Vorher wird nochmal groß gefeiert. Fast in jeder Gegend, ja nahezu in jedem größeren Ort gibt es eine Kirche, die der Muttergottes geweiht ist und das Fest nicht nur mit festlichen Gottesdiensten, sondern oft auch mit Prozessionen feiert, auf die häufig Musik und Tanz und gemeinsames Essen auf dem Kirchhof oder Dorfplatz folgen. Wie gefeiert wird ist von Ort zu Ort unterschiedlich und meist von alten Bräuchen bestimmt. In einigen Gegenden gleichen die Prozessionen Totenzügen und ähneln Karfreitagszügen. Nicht immer sind es die größten und bedeutendsten Kirchen, bei denen die größten Feste stattfinden, oft feiern auch ganz unscheinbare, kleine Marienkirchen ihr „Panigyri“ – ihr Patronatsfest – groß.
Da die meisten Griechen im August Urlaub haben, besuchen viele ihre Heimatinseln oder -dörfer. Die Familien strömen zusammen und feiern.

Die Muttergottes von Tinos
Die bedeutende Marienkirche von Tinos ist das ganze Jahr über Ziel großer Pilgerscharen, gilt doch ihre Ikone als wundertätig. Deshalb wird Tinos oft das griechische Lourdes genannt. An einem der Muttergottes geltenden Feiertag wie dem 15. August – aber auch dem 25. März – ist der Ansturm besonders groß, so dass die Unterkünfte bei weitem nicht ausreichen und viele im Freien nächtigen. Kranke versuchen möglichst, die Nacht in der Kirche zu verbringen. Sie erhoffen sich davon Heilung. Viele Pilger legen den letzten Teil des Weges hinauf zu der Wallfahrtskirche auf den Knien zurück. Die Feierlichkeiten zu Mariä Entschlafung beginnen am Abend des 14. August mit einer Kranzniederlegung am Monument des 1940 von den Italieners torpedierten griechischen Kriegsschiffs Elli und einem die ganze Nacht währenden Gottesdienst. Am nächsten Tag wird die Ikone in einer Prozession zum Hafen hinab getragen.

Die Schlangen der Muttergottes in auf Kefalonia
Außer zahlreichen Gläubigen besuchen den Festgottesdienst in dem kleinen Dorf Markopoulo auf Kefalonia alljährlich viele harmlose, kleine Schlangen. Pünktlich zu dem Fest am 15. August tauchen sie beim Glockenturm neben der Kirche auf und wandern in Richtung Kirche. Durch Löcher in der Kirchenwand, die für die Mechanismen zum Läuten der Glocken des inzwischen von einem Erdbeben weitgehend zerstörten Turms dienten, gelangen sie ins Innere der Kirche, wo sie an der Lithurgie teilnehmen und danach wieder bald verschwinden. Das ganze Jahr über sieht kaum jemand ein Exemplar dieser besonderen Schlangenart mit einem schwarzen Kreuz auf dem Kopf. Außer in Markopoulo tauchen um den gleichen Termin herum dieselben Schlangen in dem weiter östlich gelegenen Dorf Arginia auf. Dort rankt sich um dieses Phänomen die Sage, es seien ehemalige Nonnen, die bei einem Piratenüberfall im Jahr 1705 die Muttergottes angefleht hatten, sie in Schlangen zu verwandeln, um den Piraten zu entkommen. Die Schlangen sollen Glück bringen und tauchen nahezu alljährlich auf. Ausgeblieben sind sie nur in Jahren des Unheils, wie vor und während der Okkupation Griechenlands im Zweiten Weltkrieg und im Jahr 1953, als Kephalonia von einem verhehrenden Erdbeben heimgesucht wurde.

 

Raum+Zeit - über alles, was die beiden füllt: Landschaften, Inseln, Jahres- und Tageszeiten, ...