Christos Anesti! – Ostersonntag

15. April 2012

marpissaostersonntag600Mit den Worten „Christos Anesti!“ (Christus ist auferstanden) grüßt man sich heute. Die Antwort lautet „Alithos Anesti!“ (Wahrlich auferstanden!). Denn heute ist in Griechenland Ostersonntag. Da die griechisch-orthodoxe Kirche den Ostertermin nach dem Julianischen Kalender berechnet, fällt er nur manchmal so wie in den letzten zwei Jahren mit dem der Westkirchen zusammen, die dem Gregorianischen Kalender folgen.

Mannigfaltig sind die griechischen Osterbräuche. Je heiliger der Ort, desto feierlicher wird das Fest begangen, so wie beispielsweise im Zentrum des byzantinischen Mönchtums auf dem HeiligenBerg Athos und auf der Insel Patmos, auf der das Johannes-Evangelium entstand und deren Johannesgrotte zu den größten Heiligtümern der griechischen Christen zählt. Auf der kleinen Insel Folegandros wird die Marienikone in einer feierlichen Prozession von Haus zu Haus getragen, bis hin zu den abgelegendsten, so dass es drei Tage braucht, bis sie allen Haushalten ihren Besuch abgestattet hat.

Doch gibt es auch laute und ungestüme Osterbräuche, die mit viel Feuer und Knallerei einhergehen. Manche davon sind alles andere als ungefährlich, wie beispielsweise der Saitopolemos im Fußballstadium der Stadt Kalambaka und auf den Plätzen einiger anderer Städte und Dörfer der Region Messenia. Es gab schon Ansätze, diese Art des Spiels mit dem Feuer zu verbieten, für das sich Burschen selbst eine Art Raketen basteln – mit Schwarzpulver gefüllte Rohre, die sie in der bloßen Hand halten und mit denen die größten „Helden“ unter ihnen eine Art akrobatischen Tanz aufführen. Denn immer wieder gab es dabei Unfälle. Doch Brauch ist eben Brauch und die Verfechter dieser gefährlichen Mutprobe haben sich bisher durchgesetzt, weil sie nunmal alte Tradition ist. Und die allermeisten Verletzten und Toten fordert alljährlich der Osterverkehr auf griechischen Straßen. Den kann man deshalb ja auch nicht verbieten, argumentiert so mancher.

osterbrot500 Auf der Insel Paros geht es erst feierlich, dann ausgelassen zu. Am Karfreitag findet nicht nur die überall in Griechenland übliche Epitaph-Prozession statt, sondern im Dorf Marpissa stellen Dorbewohner zudem Szenen des Leidenswegs Christi dar. Christi Auferstehung wird dann auf dem Platz vor der Hauptkirche Panagia Ekatontapyliani des Hafenorts  Parikia mit Feuerwerk und vielen Knallkörpern gefeiert und am Ostersonntag gibt es im Dorf Marpissa das „Fest der Liebe“, bei dem alle Besucher mit gegrilltem Lamm, Salat und Wein bewirtet werden, während die Musik zum Tanz spielt.

All dies nur als einige kleine Beispiele. Die Vielfalt der Bräuche ist riesig. Was überall dazu gehört ist in der Osternacht nach dem Auferstehungsgottesdienst die traditionelle Ostersuppe Magiritsa (sprich: Majiritsa )  und am Ostersonntag gegrilltes Lamm oder Zicklein, am liebsten im Ganzen am Spieß gebraten. Und  natürlich rote Ostereier und Tsourekia, die Osterbrote  (sprich: Tsurekia ;  Einzahl: Tsoureki) .

parosmarpissaostersonntag500

sotirilamm

Allgemein, Leib+Seele - über alles, was es für beide an Griechischem zu genießen gibt