Die Große Woche vor dem griechischen Osterfest

8. April 2015

Während die Westkirchen 2015 Ostern bereits hinter sich haben, bereiten die orthodoxen Kirchen sich noch auf das dort in diesem Jahr eine Woche später gefeierte Osterfest vor.

Die unserer Karwoche entsprechende Woche vor Ostern heißt dort Megali Evdomada („Große Woche“).

Sie beginnt mit dem Kyriaki tou Lazarou (Sonntag des Lazaros), an dem es Brauch ist,  ein spezielles, Lazarakia genanntes Gebäck zu backen. Wird dieser unserem Palmsonntag entsprechende Tag noch heiter gefeiert, so wird die  Stimmung bis zum Karfreitag immer düsterer. Die Kirchen, in denen nun der blumengeschmückte Epitaph – das symbolische Grab Christi – steht, sind in schwermütig wirkendem dunklem Violett geschmückt. Davor weht die die griechische Orthodoxie symbolisierende Flagge mit einem schwarzen Doppeladler auf gelbem Grund auf Halbmast.

Epitaph in der Panagia Ekatopiliani Kirche auf Paros

Auch diejenigen Gläubigen, die den orthodoxen Fastenregeln nicht die gesamte Fastenzeit von 46 Tagen streng folgen, tun dies großenteils zumindest in der letzten Woche vor dem Fest. Viele Restaurants und Bäckereien tragen dem Rechnung und bieten spezielle Fastenspeisen an.

Gut besucht sind die Gottesdienste der letzten Tage vor Ostern, die an die letzte Woche im Leben Christi erinnern und  seine Passion – sein Leiden – nachstellen.  Die Kirchgängen küssen den Epitaph – das symbolische Grab Christi oder knien sich darunter, wie die Frau auf dem obigen Bild in der Kirche Panagia Ekatopillian auf der Kykladeninsel Paros.

Am Gründonnerstag, dem „Großen Donnerstag“,  werden die zwölf Evangelien, die die Leiden Gottes beschreiben, vorgelesen. Nach dem sechsten Evangelium gehen alle Lichter der Kirche aus und es ertönt die altgriechische Psalme Símeron kremáte epi ksílou (Heute wird er an das Holz gehängt“) gefolgt von einem Hammergeräusch, bei dem jeder an die Nägel denkt, die durch Hände und Beine Jesu getrieben wurden, um ihn ans Kreuz zu nageln. Danach wird das Kreuz mit dem Leichnam Christi in die Mitte der Kirche gestellt und die Menschen legen Blumen und Kränze davor, um ihre Trauer über seinen Tod zu bekunden. Darauf folgt der Vortrag der letzten sechs Evangelien. Viele Gläubige verharren die Nacht über in der Kirche.

Am Karfreitag schließlich, wird der Epitaphios in einer festlichen Zeremonie durch die Straßen getragen, der die Gläubigen folgen.

Viele Gemeinden haben ihr spezielles Brauchtum für diesen Tag. Bekannt sind beispielsweise die Tableaux Vivants des Dorfes Marpissa – ausgeleuchtete lebendige Bilder, zu denen sich Dorfbewohner in historischen Kostümen an pittorsken Stätten entlang des Prozessionswegs starr formieren.

Am Samstagabend  ist dann der große Moment des Heiligen Feuers und der Kunde von Christi Auferstehung. Sobald bei der Abendmesse in der Kirche die altgriechischen Worte Défte lávete fós („Kommt und nehmt Licht“) gesprochen werden, wird das „Heilige Licht“ vom Pfarrer an die  Gläubigen weitergegeben, die damit ihre Kerzen entzünden, um sie brennend nach Hause tragen. Um Mitternacht erklingt der  Tropárion genannte Psalm zur Ankündigung der Auferstehung Christi, es folgen Glockengeläut und Feuerwerk. Alle fallen einander in die Arme und küssen sich, wobei sie sich Christos anesti (Christus ist auferstanden) zurufen, worauf Alithos anesti (In Wahrheit auferstanden) zu antworten ist – ein Rede-Antwortspiel, das anstelle eines „Frohe Ostern“ oder eines simplen Grußes die Osterfeiertage begleiten wird.

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