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Die Päpstin – 1866 schrieb der griechische Schriftsteller Emmanuel Roidis über sie

27. Oktober 2009

130 Jahre bevor Donna Woolfolk Cross 1996 ihren nun verfilmten Bestseller über die Päpstin Johanna schrieb, widmete sich der bedeutende griechische Literat Emmanuel (Emmanuil) Roidis dem Thema und schuf den viel beachteten und übersetzten Roman ‚Die Päpstin Johanna‘ (I Papissa Ioanna) .

Im Stil einer grotesken Satire voller parodistischer Seitenhiebe und Bezüge zu Episoden aus Heiligenlegenden und aktuellen Gegebenheiten seiner Zeit griff er das Thema auf, das im Lauf der Geschichte mal als vertuschte Wahrheit, mal als Legende, mal als Satire gehandelt worden war. Eine dem Werk gut gerecht werdende französische Übersetzung wurde von Roidis Zeitgenossen Alfred Jarry geschaffen, dem Autor des komisch-grotesken Dramas „König Ubu“. Auf sie stützte sich eine der deutschen Übersetzungen, die 1993 im Verlag 2001 erschien. Weitere Übersetzungen folgten, so dass das Werk auch im Ausland bekannt wurde. Roidis selbst nannte es nicht einen Roman, sondern „mittelalterliche Studien“. Es brachte ihm begeisterte Leser, aber auch viel Kritik bis hin zum Bann durch die orthodoxe Kirche (die es gar nicht zum Gegenstand hat, sondern vielmehr die katholische) ein.

Zum Autor Emmanuel Roidis

Emmanuel Roidis wurde 1836 auf der Kykladeninsel Syros geboren, deren Hauptstadt Ermoupolis ein augenfälliges Paradebeispiel für die in Griechenland seltene gleichzeitige Präsenz der katholischen und orthodoxen Kirche ist. Weithin vom Meer sichtbar krönt einen der beiden steil aufragenden Hügel, auf denen sich die Häuser des Ortes emporziehen, eine katholische Bischofskirche, den anderen eine orthodoxe Kathedrale.
Nach Zeiten im Ausland zog Roidis 1862 nach Athen, wo er Mitherausgeber einer satirischen Wochenzeitschrift und Mitarbeitung weiterer Zeitungen und Zeitschriften war und neben Erzählungen kritische Essays und Stellungnahmen publizierte. Am 7. Januar 1904 starb er in Athen.

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