Ein Abend im Makari in Athen

15. Juni 2009

12. Oktober 2008: Die Musikgruppe „Mesóichos“ in der Athener Musikkneipe „Makari“

mesoichosmakariDie kleine Life-Musikkneipe „Makári“ befindet sich in dem Stadtteil Exarchia, das als Studenten-, zuweilen auch Anarchistenviertel gilt. Manchmal wird seine Adresse Zoodochou Pigis 125 / Ecke Komninon auch dem angrenzenden Stadtteil Neapolis zugerechnet.
Schlicht und gemütlich wirkt das kleine Lokal mit seinen hohen, bis auf Hüfthöhe dunkelbraun vertäfelten und darüber ockergelb gestrichenen Wänden, an denen gerahmte Zeichnungen hängen. Auf den dunklen, kleinen, runden Holztischen brennen Petroleumlampen. Um sie herum sind schlichte kleine Stühle aus gleichfarbigem Holz gruppiert. Am Kopfende eine Reihe identischer Holzstühle, zwei Notenständer, eine Outi oder Oud genannte Kurzhalslaute auf ihrem Gestell und im Eck ein kleines Puppentheater.

Heute steht die Gruppe Mesoichos (Μεσόηχος) auf der Bühne, oder besser auf dem grauen Teppichboden, denn eine Bühne im eigentlichen Sinn gibt es nicht, auch keine Mikrophone. Der Name der Gruppe ist eine Wortschöpfung, in die „Mesogios“ für „Mittelmeer“ und „ichos“ für „Klang“ einfließen, ist also als in etwa als „Mittelmeerklang“ zu verstehen. Kurz nach 21.00 h geht es los. Die fünf zwischen 35 und 40 Jahre alten Musiker nehmen auf den Stühlen am Kopfende des Saals Platz und beginnen zu spielen. In der Mitte sitzt die Sängerin Maria Georgiadou mit ihren langen schwarzen Haaren, ganz schlicht in graue Leggings und rosa Pullover gekleidet, links neben ihr hemdsärmelig wie alle Bandmitglieder der Outi-Spieler und Sänger Spiros Georgiadis, rechts der blinde Akkordeonspieler Giorgos Itsas, neben dem außen rechts Ioannis Kalogeras abwechselnd verschiedene Tambourine und ein Toumbeleki als Rhythmusinstrumente zur Hand nimmt. Links neben Spiros sitzt der Klarinettenspieler Basilis Gravias. Auch er ist blind.

Als erstes erklingt das alte Liebeslied „Giorgitsa“. In dem Lied „San ta marmara tis Poli“ vergleicht der Sänger die Angebete mit dem Marmor der Hagia Sofia in Istanbul, dem Konstantinopel der Griechen oder „Poli“, d.h. „Stadt“ wie sie diese ihre immerwährende heimliche Hauptstadt, dieses Ziel ihrer Sehnsucht, nennen. Es folgen weitere alte Lieder. Ländliche Volksmusik wechselt sich mit Waisen aus Smyrna ab, zuweilen fließen türkische Strophen ein. Auch einige Rembetika-Lieder umfasst das Repertoire. Doch die meisten Stücke datieren aus älterer Zeit. Obwohl der kleine Raum nur spärlich besetzt ist, spielen alle Musiker mit Hingabe, zunächst zwei Stunden bis 23.00 h am Stück. Dann geht es nach einer kleinen Pause weiter bis nach Mitternacht. Nach getaner Arbeit mischen sie sich unter das Publikum und unterhalten sich noch ein wenig. So erfahren wir von der Sängerin Maria Georgiadou, dass sie klassischen Gesang studiert hat, aber ebenso wie der Outi-Spieler Spiros Georgiadis nicht von der Musik leben kann, so dass beide daneben einer anderen Arbeit nachgehen müssen. Auch kommt zur Sprache, wieviel den zwei Blinden ihre Musik und die Arbeit und fröhliche Gemeinschaft in der Gruppe bedeutet. Es war ein sehr schöner Abend und wir sind froh, dass wir dem Hinweis in dem Athener Wochenprogramm Athinórama (Αθηνόραμα) gefolgt sind.

Adresse:
Makari
Zoodochou Pigis 125 / Ecke Komninon
Tel.: 2106458958
URL: www.makari.gr

Leib+Seele - über alles, was es für beide an Griechischem zu genießen gibt