Elektrische rollt wieder normal

12. Dezember 2011

ISAPpiraeusTausende Fahrgäste, die täglich auf die „Linie 1″, die sogenannte „Elektrische“ oder kurz ISAP (für Ilektriki Sidirodromi Athinon – Pireos),  angewiesen sind, sind erleichtert. Am heutigen Montag, den 12. Dezember 2011, wurden die drei Jahre andauernden Renovierungsarbeiten an der Strecke zu Ende gebracht.  Damit sollen Streckenunterbrechungen, Verspätungen und Umleitungen der letzten 3 Jahre endlich ein Ende haben. Geplant war gewesen, die Arbeiten bis 2009 mit einem Budget von 800 Millionen Euro fertigzustellen. Zahlreiche Hürden – von ungünstigen geologischen Bedingungen bis hin zu archäologischen Entdeckungen – haben sich dem Vorhaben jedoch in den Weg gestellt. Doch nun rollt sie wieder normal, die ISAP-Linie 1, die heute zusammen mit den zwei von einer anderen Gesellschaft betriebenen Metrolinien 2 und 3 die Hauptadern des Athener Nachverkehrs bildet und auf eine lange Tradition zurückblickt. Als Dampfeisenbahn war die erste ISAP-Linie, die damals nur von Piräus bis Thision führte, bereits 27. Februar 1869 eingeweiht worden.

markarisathen978-3-446-23560-1_2171516242-31Über die Fertigstellung der Renovierungsarbeiten  freuen sich nicht nur jene, die täglich die Linie brauchen, um zu ihrer Arbeitsstelle zu gelangen und ihren Alltag zu bewältigen. Endlich kann man auch wieder Petros Markaris einmaligen,2010 auf Deutsch erschienenen Athenführer „Quer durch Athen – Eine Reise von Piräus nach Kifisia“ ungestört abfahren – ein Athenerlebnis der besonderen Art. Der sonst weniger für Reiseführer als für seine Krimis über den Athener Kommissar Kostas Charitos bekannte Autor fährt die Strecke vom Startpunkt Piräus bis zur Endhaltestelle Kifisia ab. Sie führt ihn vorbei an einer Menge tristem Beton durch historische Arbeiterviertel, klein- und großbürgerliche Wohnviertel, Touristen- und Vergnügungsviertel. An jeder Stationen steigt er aus und macht ausgiebige Spaziergänge. Dabei sinniert er über räumliche und geschichtliche Zusammenhänge, Straßennamen, den Charakterwandel der Stadtteile und der Lebensbedingungen in ihnen. Nostalgisch spürt er Relikte wie die letzten Olivenbäume und traditionellen Gaststätten auf und sucht das Einzigartige, das „Echte“ an jeder Stadtgegend. Dabei kommt er zu dem Schluss:

„Der Unterschied zwischen den alten und neuen Straßen, zwischen den alten und neuen Vierteln besteht nicht nur in einer Diskrepanz zwischen Arm und Reich oder Elend und Wohlstand. Der Unterschied ist im Grunde ein ästhetischer und misst sich im Grad von Wahrhaftigkeit oder Verstellung, echt oder unecht.“

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