Griechenland im Dezember

3. Dezember 2014

Weihnacht

Auch in Griechenland steht der Dezember im Zeichen des Weihnachtsfests. Anders als manche beweglichen Kirchenfeste wie beispielsweise das Osterfest, wird das Weihnachtsfest von der griechisch orthodoxen Kirche zum gleichen Termin gefeiert wie von den Westkirchen. Statt der Adventszeit des Westens, führt in den östlichen Kirchen eine 40-tägige Fastenzeit darauf hin. Doch ist die Weihnacht im griechisch orthodoxen Jahreszyklus nicht wie in anderen christlichen Religionen das größte Fest des Jahres. Weitaus bedeutender ist das Osterfest.

Festbräuche

Weihnachtsboot statt Tannenschmuck

Fichten und Tannen sind in den meisten griechischen Gegenden rar. Trotzdem gibt es das Lied „Oh Tannenbaum“auch auf Griechisch und manche Gemeinden und Familien stellen einen Weihnachtsbaum auf. Der Bayerische Prinz Otto, der ab 1832 in Griechenland regierte, soll ihn eingeführt haben. Ein Adventskranz hingegen hat keine Tradition in Griechenland.

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Foto: Templar52 via Wikipedia

Bei den Weihnachtsbräuchen Griechenlands spielt ein bedeutendes Symbol dieser Seefahrernation eine große Rolle: Das Schiff. Familien stellen zu Hause kleine Boote auf, in denen während der Weihnachtszeit bis zum 6. Januar ein Lichtlein brennt. Sind Seeleute in der Familie, die gezwungen sind, das Fest auf hoher See statt im Kreis der Ihren zu verbringen, so mag das Schiffchen die Funktion eines kleinen Schreins haben, vor dem man an sie denkt. Aber auch auf öffentlichen Plätzen wie beispielsweise in Athen, Thessaloniki, auf Kreta in Chania und auf der Insel Chios stehen lichtergeschmückte Boote statt oder neben Weihnachtsbäumen.

Mancherorts, wie beispielsweise auf Lesbos, ersetzt zuweilen ein mit vergoldeten Nüssen und Orangen geschmückter Ölbaumzweig den heimischen Weihnachtsbaum.

Weihnachtslieder

Griechische Kinder gehen zu Weihnachten mit Triangeln als Rhythmusinstrument in der Hand von Tür zu Tür und tragen sehr alte, regional unterschiedliche Gesänge, die sogenannten kalanda vor. Zur Belohnung gibt es etwas Weihnachtsgebäck oder ein kleines (Geld-)Geschenk.

 Dodekaimero – 12 Tage voller Brauchtum

Bescherung für die Kinder ist in Griechenland nicht am 24. Dezember, sondern erst am 6. Januar, dem Theophania-Tag.  Die Zeit von Weihnachten bis dahin wird Dodekaimero („12 Tage“) genannt. In dieser Zeitspanne muss stets ein Feuer im Haus brennen und es sollte eine Wasserschüssel mit einem Basilikumzweig und einem Kreuz aufgestellt werden, aus der täglich gesprenkelt wird um die Kalikantzari genannten boshaften, rotäugigenund behaarten Kobalde zu bannen, die nachts ihr Unwesen treiben, wenn man diese Vorkehrungen vergessen hat. Besonders in der Küche machen sie sich nachtens gern zu schaffen. Sie lassen die Milch sauer werden und Speisen missraten und stellen allerhand Schabernack an.

Weihnachtsspezialitäten

Traditionelles Weihnachtsgebäck sind sirupgetränkte Melomakarona und Kourambiedes genannte Butterplätzchen mit Mandeln und Puderzucker. In vielen Familien ist es auch Tradition große, kunstvoll verzierte Leibe süßen Brots, das Christopsomo, zu backen.

Gans oder Truthahn kommen an den Feiertagen nur in wenigen griechischen Familien auf den Tisch. Der traditionelle Weihnachtsbraten kommt vom Schwein. Am beliebtesten ist Spanferkel.

Namenstage, Kirchweihfeste und Gedenktage im Dezember

4. Dezember – Ag. Varvara

Der Eigenname ist nicht besonders gebräuchlich. Aber es gibt etliche Gotteshäuser dieses Namens. Der Tag der Heiligen Barbara (Agia Varvara) wird besonders in dem gleichnamigen Ort in der Präfektur Iraklio auf Kreta, in Pamfylla auf Lesbos und Louros nördlich von Preveza in der Region Epirus gefeiert.

6. Dezember – Ag. Nikolaos und trauriger Gedenktag

In Griechenland muss der Heilige Nikolaus nicht als Gabenbringer für die Kinder mit der pädagogischen Aufgabe des Ermahners zum brav und fleißig sein herhalten. Eine ähnliche Rolle spielt eher – neuerdings auch in ähnlichem roten Gewand mit Zipfelmütze und mit Rauschebart – der Heilige Vassilios, dessen Fest am 1. Januar ist – dem Tag, an dem traditionell die Kinder in den Familien ihre Geschenke bekommen.

Der Heilige Nikolaus hingegen gilt in Griechenland als Schutzpatron der Seefahrt. Geschenke bekommen am 6. Dezember nur diejenigen, die den Namen des Heiligen tragen, die also Nikolaos, Nikos und Nikoletas heißen und am 6. Dezember Namenstag haben. Denn der Namenstag wird in Griechenland größer gefeiert als der Geburtstag. Und natürlich feiern die zahlreichen, dem Heiligen Nikolaus geweihten Gotteshäuser ihr Kirchweihfest, besonders groß diejenigen von Piräus und Alexandroupolis und der Orte  Ag. Nikoláos auf Kréta, Ermoupolis auf Syros, Petra auf Lesbos und Skala Kallirachis auf Thasos.

Gleichzeitig ist in Griechenland der 6. Dezember aber auch ein Tag traurigen Andenkens an Alexandros Grigoropoulos, den im Alter von 15 Jahren am 6. Dezember 2008  eine tödliche Polizeikugel traf. Dem Andenken an den jungen Alexandros mischt sich seither alljährlich bei vielen Griechen Wut und Aufbegehren gehen den Staatsapparat bei, der sie auf Straßen und Plätzen griechischer Städte Luft machen, was immer wieder zu Zusammenstößen mit der Polizei führt.

25. Dezember – Christos, Christina, Manolis

Alle die  Christos, Christina, Chrisoula oder Manolis heißen feiern am 25. Dezember nicht nur Weihnachten, sondern auch zugleich ihren Namenstag. Manolis leitet sich von Emmanuel ab, dem hebräischen Namen des Messias.

Dekembriana

Unter dem Namen Dekembriana gingen erbitterten Kämpfe im Athen des Dezembers 1944 in die Geschichte ein, die Tausende von Opfern forderten. Auch derer wird im letzten Monat des Jahres gedacht.

 

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