Griechisch-orthodoxe Fastenzeit

12. März 2011

Die Rennbahn der Tugenden ist eröffnet.
Die ihr kämpfen wollt, ziehet ein!
Schickt euch an zum guten Kampf des Fastens!

Mit diesen Worten beginnt der diesjährige Hirtenbrief des Patriarch Bartolomäus von Konstantinopel zur Fastenzeit vor Ostern. Je nachdem, ob man nur die strenge Spanne des kompletten Verzichts auf Produkte tierischen Ursprungs zählt, oder auch die fleischlosen Tage, an denen Milchprodukte erlaubt sind, zählt sie 40 bis 49 Tage. Die fleischlose Zeit beginnt bereits in der letzten Faschingswoche, die Tirofagou (Käsewoche) heißt, weil nur noch Milchprodukte und Käse erlaubt sind, jedoch kein Fleisch mehr.

Gefastet wird in der griechisch-orthodoxen Kirche nicht nur vor Ostern, sondern mehrmals im Jahr, so auch einige Tage vor dem Fest Zwölf Apostel im Juni, zwei Wochen vor dem Fest Mariä Himmelfahrt Mitte August und noch einmal in den 40 Tagen vor Weihnachten. Zu den anderen Terminen sind die Speisevorschriften allerdings weniger streng als in der vorösterlichen Zeit. So darf vor Weihnachten noch bis  zum 17. Dezember Fisch gegessen werden, während dessen Verzehr vor Ostern untersagt ist.

Mit diesen Fastenzeiten wurde aus dem Mangel eine Tugend gemacht. Sie schonen die natürlichen Ressourcen und kommen nicht nur dem Menschen, sondern auch der Natur zugute. Vor allem im Frühjahr fallen die Fastentage mit der Laichsaison der Fische und der Brutpflege und Aufzuchtzeit zusammen.

Den religiösen Fastenregeln verdankt auch die griechische Küche viele schmackhafte Gerichte, die ohne Fleisch und das teils auch verbotene Olivenöl auskommen. Vor allem viele Süßspeisen wie Chalvas und bestimmte Backwaren, aber auch zahlreiche Gemüsegerichte sind typische Fastenspeisen.

Heute, in weniger kargen Zeiten, halten sich allerdings nur noch wenige an die strengen Regeln.

Leib+Seele - über alles, was es für beide an Griechischem zu genießen gibt