Krisenostern 2012

6. April 2012

Traurige Ereignisse im Vorfeld, Streikankündigungen und Sparzwänge trüben die Vorfreude auf die Feiertage, die 2012  in Griechenland auf  den 13. bis 16. April fallen.

TotengedenkenEine Woche später als die westlichen Kirchen feiert die griechisch-orthodoxe Kirche dieses Jahr das Osterfest – das größte Fest im griechischen Jahreszyklus, das weit bedeutungsvoller als die Weihnacht ist. Doch ist dieses große Kirchen- und Familienfest dieses Jahr bereits im Vorfeld von traurigen Ereignissen, Problemen und Sparzwängen überschattet.

Öffentlicher Freitod eines Rentners

Kurz bevor die unserer Karwoche entsprechende „Megali Evdomada“ („Große Woche“) die Menschen in die Kirchen und zu Familie und Verwandten auf die Inseln und in die Dörfer strömen lässt, rückte am 4. April der aus Verzweiflung und Protest geschehene öffentliche Freitod des 77-jährigen Rentners Dimitris Christoulas die ernsten Probleme Griechenlands in den Fokus. Viele sehen wie er keinen Ausweg mehr, finden kein Auskommen mit dem gekürzten Einkommen angesichts gleichzeitig gestiegener Ausgaben aufgrund erhöhter Abgaben und Steuern und verzweifeln. Griechenlands Selbstmordrate – noch 2008 nach Zahlen der Weltgesundheitsorganisation die niedrigste Europas – stieg in den letzten Jahren kontinuierlich und immer rapider an. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums haben sich  2011 etwa 40 Prozent mehr Menschen umgebracht als 2010. Doch auch bis 2010 waren die Zahlen bereits stark stiegen.

Trauer und Unruhen in Athen

Tausende Menschen legten an der Zypresse auf dem Athener Syntagma-Platz, an der sich der ehemalige Apotheker Christoulas das Leben genommen hat, Blumen und Kerzen nieder, brachten Botschaften an und hielten Totenwache. In den zwei dem Freitod des Rentners folgenden Nächten protestierten große Menschenmassen gegen eine Politik, der sie die Schuld an dieser Verzweiflungstag geben. Es kam zu Zusammenstößen mit der Polizei, bei denen auch Journalisten verletzt wurden, darunter  Marios Lolos, der Präsident des griechischen Photoreporter-Verbands, der mit einer schweren Kopfverletzung ins Krankenhaus eingeliefert werden musste.

Streiks der Seeleute drohen Reisepläne im Chaos enden zu lassen

Ähnlich wie in anderen Ländern Weihnachten, will man in Griechenland Ostern im Familien- und Freundeskreis verbringen. Deshalb sind Straßen, Fähren, Busse und Bahnen in der Wochen vor Ostern voll. Nun hat die Seefahrergewerkschaft für den 10. und 11. April einen 48-stündigen Streik angekündigt, der den Fährverkehr lahmzulegen und viele Osterpläne zu durchkreuzen droht .

Einbruch der Geschäftszahlen

Zahlreiche Bräuche ranken sich um das griechische Osterfest. Traditionell strömen die Familien zusammen, besuchen die feierlichen Gottesdienste und Prozessionen, holen sich das Osterfeuer ins Haus und feiern anschließend am liebsten mit gegrillten Lämmern oder Zicklein, Musik und Tanz. Doch viele müssen dieses Jahr sparen. Der Einzelhandel, der früher zu diesem größten Fest des Jahres blühte, büßte erneut Einbußen von rund 10 Prozent gegenüber dem schon schlecht gelaufenen Vorjahr ein.

Quellen:
Foto:
Yanni Koutsomitis (Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0)
Statistik:

www.who.int
, www.spiegel.de und www.ekathimerini.com
Nachrichten:
www.keeptalkinggreece.com

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