Panigyria im September

4. September 2013

Ein panigyri (Plural panigyria), wie das Fest heißt, mit dem griechische Kirchen und Klöster den Heiligen feiern, dem sie geweiht sind, ist eine schöne Gelegenheit mit den Griechen zu feiern. Eine Gelegenheit, Brauchtum, Musik und Tanz jenseits der „griechischen Abende“ in Hotels und Touristentavernen und jenseits von Sirtaki zu erleben. Denn jeder ist dabei willkommen.

 

Die bedeutendsten Termine im September sind

  • Mariä Geburt (Genesi tis Theotokou) am 8. September und
  • die Kreuzerhöhung (Ipsosis Timios Stavrou) am 14. September.

Will man eines dieser Feste erleben, so gilt es also um den 7./8. September nach Marienkirchen (Agia Maria, Theotokos (= Gottesmutter) oder Panagia (= Allheilige)) Ausschau zu halten und um den 13./14. September nach Kirchen, die dem heiligen Kreuz (Stavros) geweiht sind. Denn gefeiert wird meist bereist am paramoni genannten Vortag- und Abend des eigentlichen Kirchenfests. So beispielsweise am 7. und 8. September in Kardamena auf der zu der Gruppe des Dodekanes gehörenden Insel Kos und im Kloster Vronda auf der Insel Samos in der östlichen Ägäis. Ähnliche Feste finden an diesen Terminen unter anderem in Mesochori auf Karpathos, bei der Kirche Panagia Kanala auf Kythnos, in Gortynia in Arkadien und in vielen anderen Marienkirchen Griechenlands statt. Die Insel Spetses gedenkt am 8. September zudem der Schlacht von Spetses von 1822 mit einem Nachspielen der Ereignisse, einem großen Fest und Feuerwerk.

Am 13. und 14. September kann man beispielsweise auf der zur Dodekanes-Gruppe gehörigen Vulkaninsel Nisyros beobachten, wie ein nicht mehr von Mönchen bewohntes Kloster namens Timiou Stavrou (sprich Timiu Stavru) oder kurz Timos Stavros für das Fest aus seinem Dornröschenschlaf erwacht, den es sonst das Jahr über schläft.
Am 13. September werden die letzten Farbeimer weggeräumt, aus denen die Wände der langen, niedrigen Klosterbauten und die Mäuerchen im Klosterhof einen frischen Anstrich erhielten – so wie es vor dem Fest Bauch ist. Überall wird noch einmal kräftig geputzt, die Ikonen des heiligen Kreuzes in der Klosterkirche werden mit frischen Blumen geschmückt und Leinen mit bunten Wimpeln über den Klosterhof gespannt.


Am Nachmittag erfüllt sich die alte Klosterküche mit neuem Leben. In großen Kesseln wird über offenem Feuer für die Pilger gekocht, die am Abend zum Gottesdienst und anschließenden Fest im großen Klostersaal und auf dem Klosterhof herbeiströmen. Der Weg ist beschwerlich. Denn das Kloster liegt hoch am Rand der Caldera, des großen Vulkankessels. Von dem Bergdorf Nikiá führt ein Pilgerpfad hierher, der teils noch als alter, mit Natursteinen gepflasterter kalderími erhalten ist. Doch geht inzwischen auch eine Schotterstraße vom Stefanos-Krater aus hinauf zum Kloster. Diese schlagen die Busse ein, die vom Hafenort Mandraki aus zu dem Fest hinauffahren. Nach dem festlichen Gottesdienst werden die geweihten Brote aufgeschnitten und an die Festbesucher verteilt. Dann wird im Refektorium und auf den langen Steintischen im Hof gegessen, während die Musik zu spielen beginnt. Bald umrunden Tänzerreihen die langen Tische. Wem die aus gekochter Ziege, Salat und Käse bestehende Pilgerkost aus der Klosterküche, die an alle Besucher verteilt wird,  nicht genügt, der kann sich auch mit Souvlaki und Loukoumades verköstigen, die neben Spielsachen, Süßigkeiten und anderen Waren an den Verkaufsständen vor dem Kloster  angeboten werden.

Weder der 8. noch der 14. September sind gesetzliche Feiertag. Doch kann es geschehen, dass zu dem Fest in Gemeinden, in denen es besonders groß gefeiert wird, Geschäfte und Behörden geschlossen bleiben. Vor allem aber bleiben in ganz Griechenland die meisten Apotheken am 14. September geschlossen (Bereitschaftsdienste und z.B. Flughafenapotheken ausgenommen). Denn die Apotheker betrachten den Tag der Kreuzerhöhung als ihren Feiertag. Übrigens: Die Apotheke heißt auf Griechisch farmakio und ist meist an einem grünen (seltener roten) Kreuz über der Eingangstür zu erkennen. Das griechische Wort apothiki, von dem sich unser „Apotheke“ ableitet, bedeuten im Neugriechischen schlicht Aufbewahrungsort oder Lager.

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