Periptero – der griechische Kiosk

22. Oktober 2010

kioskathen4Sie sind kunterbunte Kleckse im griechischen Straßenbild, kleine Nachrichtenzentralen, Anlaufstelle für Hungrige, (Wisssens-)Durstige und für alle, denen gerade irgendeine Kleinigkeit wie Zigaretten, ein Feuerzeug, eine Zeitung, ein Kaugummi, Kekse, Schokolade oder eine Lesebrille zur Alltagsbewältigung fehlt: Die griechischen Kiosks, Periptero genannt. Was sie darüber hinaus noch im Angebot haben, hängt vom Inhaber und den Stammkunden ab. So kann man auch schon mal T-Shirts, Hemden, Lederwaren und vieles mehr finden. Flankiert sind die kleinen Buden, in denen der Verkäufer hockt, meist von einem Kühlschrank mit Getränken und Joghurt, oft auch von Ständern und Truhen, die das Angebot erweitern und den Gehsteig verengen. Sie sind bei Alt und Jung beliebt, gehen doch ihre Öffnungszeiten meist über die der Geschäfte hinaus und reichen manchmal sogar rund um die Uhr. Kinder finden außer Schleckwerk, Bleistiften und Schulheften zuweilen auch neben dem Kiosk ein kleines mechanisches Reittier, Auto oder Karussel. Touristen finden ein Pflaster für wundgelaufene Füße und abgefülltes Trinkwasser für durstige Kehlen billiger und flotter als im nächsten Cafe.

kioskathen1Solche Kiosks sind – oder muss man sagen waren? – auch lukrative Einkommensquellen für ihre Inhaber. Denn ein Konzessionssystem sorgte dafür, dass ihre Zahl beschränkt blieb. Dieses System, das zu den sogenannten geschlossenen Berufsständen führte, wird zuweilen mit dem mittelalterlichen Zunftsystem verglichen. Denn es führte dazu, dass Berufe wie Transportunternehmer, Taxifahrer, Apotheker, Rechtsanwalt und eben Kioskbetreiber nur den Inhabern von Lizenzen oder Konzessionen, die vererbt und zu oft horrenten Preisen gehandelt werden, offen stehen. An diesem System wird nun im Zuge umfassender Reformen des griechischen politischen und sozialen Systems gerüttelt. Existenzängste und Proteste der Betroffenen sind die Folge. Abgesehen von diesen Reformvorhaben treffen die Kioskbetreiber aber auch andere Gesetzesänderungen wie Mehrwertsteuer- und Tabaksteuererhöhung und Maßnahmen zur strengeren Durchsetzung eines Rauchverbots in öffentlichen Stätten, da natürlich Tabak- und Zigarretten einen Großteil ihres Umsatzes ausmachen und die Nachfrage danach dadurch eingebrochen ist. Immer mehr Kiosks und kleine Geschäfte müssen schließen. Mit Demonstrationen und Streiks bis hin zum Hungerstreik vor dem Ministerium versuchen Kioskbetreiber auf ihre schlechte Lage aufmerksam zu machen.

Hintergrund:
Artikel „Geschlossene Gesellschaft“
vom 31.07.2010 im Tagesspiegel

Fotogalerie Griechischer Kiosks

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