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Poli – DIE Stadt der Griechen

9. Juni 2016

Poli (πόλη) bedeutet im Griechischen schlicht Stadt. Es steht jedoch – groß geschrieben – auch für eine ganz spezielle Stadt – DIE Stadt schlechthin für die Griechen – so bedeutend war und ist sie für sie – obwohl sie nicht auf deren Territorium liegt.

Poli ist eine Kurzform für Konstantinoúpoli, die Stadt am Bosporus, einst von dorischen Siedlern aus dem griechischen Mutterland um 660 v. Chr. unter dem Namen Byzantion gegründet,  dann nach Konstantin dem Großen Konstantinopel (griechisch Konstantinoúpoli) genannt, bis sich nach einer wechselvollen Geschichte spätestens ab 1930 international der Name Istanbul für die heutige Hauptstadt der Türkei durchsetzte. Selten wird er auch in Griechenland gebraucht. Meist nennt man diese Stadt, in der einst viele Griechen lebten, Konstantinoúpoli, noch öfter kurz Poli. Obwohl Flucht- und Vertreibungswellen einmal ab 1922 und dann nochmals ab 1955 die Zahl der Griechen in Istanbul auf wenige Tausend schrumpfen ließ, hat „ihre Poli“ für sie nach wie vor große, nicht nur historische, Bedeutung.

Küche der „Poli“

Die vom kosmopolitischen Amiente führerer Zeiten und orientalischen Noten geprägte phantasievolle Küche der einstigen Griechen von Konstantinopel, die sie nach ihrer Umsiedlung nach Griechenland mitbrachten, erfreut sich als politiki kusina (konstantinopolitische Küche) ungebrochener Beliebtheit.

Religiöse Bedeutung

Im Phanar in Istanbul hat das ökumenische Patriarchat von Konstantinopel seinen Sitz, dessen Patriarch Oberhaupt der orthodoxen Christen ist. Heute ist die Georgskathedrale sein Sitz. Bis zur Eroberung Konstantinopels durch die Türken 1453 war es jahrhundertelang die Hagia Sophia. Das macht die heute als Museum genutzte einstige byzantinische Kirche zu einem bedeutenden religiösen Denkmal für die Griechen. Deshalb regt sich momentan Unmut in Griechenland gegen aktuelle Pläne, während des diesjährigen muslimischen Fastenmonats Ramadan (6. Juni bis 5. Juli 2016) in ihr aus dem Koran vorzutragen.

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