St. Nikolaus – Ag. Nikolaos

5. Dezember 2009

agnikolaosGriechischer Schutzpatron der Seeleute

Der heilige Nikolaus, griechisch Agios Nikolaos, der Bischof aus dem kleinasiatischen Myra, ist für die Griechen Schutzpatron der Seefahrt. Zahlreiche dem Heiligen geweihte Kirchen und Kapellen stehen auf den Inseln und an den Küsten. Meist wacht eine im Hafen oder an dessen Ausfahrt über den Schiffsverkehr und das Wohlergehen der Seeleute. Eine Ikone des Heiligen fehlt wohl auf keinem griechischen Schiff.

Nachstehend eine kleine Passage zum Glauben an die Kraft des Heiligen und zum typischen, vertraulichen Umgang der Seefahrer mit seiner Ikone aus dem Roman ›Freiheit oder Tod‹ des großen griechischen Autors Nikos Kazantzakis, der im Ausland vor allem für sein mit Anthony Quinn in der Hauptrolle verfilmtes Werk „Alexis Sorbas“ bekannt ist:

Kapitän Stefanis bekreuzigte sich, nahm die Ikone des heiligen Nikolaos und stellte sie vorn an den Bug. Er flüsterte ihr zu: ›Ich stelle dich vorn an den Bug, mein heiliger Nikolaos, da deine Augen mehr sehen als zwei Menschenaugen. Sage nicht hinterher, daß du in der Kajüte warst und nichts gesehen hast!‹ Der kurzbärtige Seeheilige blickte ihn stumm an. Er trug in seinen salzzerfressenen Händen ein Spielzeug, ein Schiff mit kleinen Menschen darauf. Er lächelte. Kapitän Stefanis beugte sich über ihn und küßte ihn.

Der Name kommt aus dem Griechischen

In dem Namen Nikolaos, woraus im Deutschen Nikolaus wurde, stecken die griechischen Wörter nik(a)o für siegen und laos für Volk. Zu Lebzeiten des Heiligen Nikolaus gehörte seine Heimat zum Byzantinischen Reich, dessen Sprache das Griechische war.

Der 6. Dezember bietet viel Anlass zum Feiern

Am 6. Dezember feiern all diejenigen, die Nikolaos, Niki, Nikos, oder Nikoleta heißen, ihren Namenstag, der für die Griechen wichtiger ist als der Geburtstag. Und das sind viele. Außerdem feiern zahlreichen Hafenorte lokale Kirchenfeste mit Festmessen, Prozessionen, zuweilen Musik und Tanz je nach den örtlichen Gepflogenheiten, beispielsweise Piräus, Alexandroupolis, Ermoupolis auf Saros, Skala Kallirachis auf Thasos, Petra auf Lesbos und Ag. Nikolaos auf Kreta.

Anders als in der katholischen Welt hat man den Heiligen in der griechischen Tradtition nicht zum Kinderbescherer mit pädagogischer Rolle als Ermahner zum Bravsein gemacht. Griechische Kinder bekommen ihre Geschenke teils – westlichen Gepflogenheiten folgend – an Weihnachten, teils am Tag des Heiligen Vassilios, dessen Fest am 1. Januar ist und der wohl am ehesten als Gegenbild unseres bärtigen Nikolaus im roten Gewand gesehen werden kann.

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