Wachsende Unzufriedenheit in Griechenland

13. Juni 2011

Proteste in AthenEine überwältigende Mehrheit von 87 % der Befragten sagten in einer am Sonntag, den 12. Juni 2011, in der konservativen Athener Zeitung „Kathimerini“ veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Public Issue, dass sie glauben, Griechenland habe einen falschen Kurs eingeschlagen.  Ein ähnlicher Prozentsatz sagte, er sei mit dem demokratischen Standard und mit der eigenen Lebensqualität unzufrieden. Dabei kann natürlich nicht ausbleiben, dass man auch den großen politischen Parteien die Unterstützung entzieht, allen voran derjenigen, die an der Regierung ist, der Panhellenische Sozialistische Bewegung (PASOK) genannten  sozialistische Partei unter Ministerpräsident Giorgos Papandreou. Nur noch 27 Prozent der Befragten würden sie heute unterstützen. Das wäre das schlechteste Ergebnis der Sozialisten seit 1977 (25,3 Prozent). Noch im Oktober 2009 hatten sie die Parlamentswahlen mit 44 Prozent klar gewonnen. Doch nicht nur die PASOK, sondern auch die bürgerliche Nea Dimokratia (ND) unter Antonis Samaras hat an Bürgergunst eingebüßt, wenngleich sie mit 31 Prozent nun vor den Sozialisten läge.

Bei dieser Unzufriedenheit können in einem Land wie Griechenland aber auch lautstarke Proteste nicht ausbleiben. Während die vergangenen Monate vorwiegend von Protesten einzelner Interessengruppen wie Gewerkschaften und Berufsverbände und leider auch einzelnen Ausschreitungen geprägt waren,  protestieren heute riesige Menschenmassen friedlich und teils originell und auch humorvoll gegen das politische System des Landes als Ganzes. Aganaktismeni – Empörte oder Wütende – nennen sie sich. Damit reihen sie sich auch in ähnliche Protestaktionen der Bevölkerung anderer europäischen Länder, wie etwa Spanien ein, mit denen sich einige von ihnen vernetzen. Die Wutgriechen protestieren  in Athen und Thessaloniki, wo sich seit drei Wochen Tag für Tag Tausende und an den Sonntagen Zehntausende auf den großen Plätzen zum Protest versammelt sind. Ähnliche Versammlungen finden auch in anderen Städten statt, während auf dem Land und den Inseln kaum etwas von solchen Protestaktionen zu sehen ist und das Leben allgemein trotz der momentanen Einschnitte und Sparprogramme eher seinen gewohnten Gang geht.  Im letzten Monat hat sich die Teilnahme der Griechen an Protesten aller Art von 12 auf 25 Prozent mehr als verdoppelt. Das entspricht mehr als 2,2 Millionen Bürger.  Dazu einige neue Bildeindrücke.

Quelle: Kathimerini; Artikelfoto: von SpirosK lizensiert unter CC BY-NC-ND 2.0

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