Worte zur Krise – Petros Markaris

28. Januar 2012

„Man irrt sich, wenn man glaubt, dass die Krise in Europa nur eine finanzielle ist. Wir erleben auch eine Krise der europäischen Werte. Die finanzielle Krise hat dazu beigetragen, dass wir sie wahrnehmen können.“

so der griechische Schriftsteller Petros Markaris in einem lesenswerten Artikel in der Süddeutschen Zeitung, in dem er die heutige kulturelle Situation Europas kritisch unter die Lupe nimmt und mit dem Istanbul seiner Jugendjahre vergleicht. Sein besonderes Augenmerk gilt dabei Spannungen und (mangelndem) Verständnis der Völker untereinander und ganz speziell auch dem Verhältnis zwischen den Griechen und den Deutschen.

Der im Ausland vor allem für seine Krimis  bekannte griechische Autor Markaris wurde 1937 als Sohn eines Armeniers und einer Griechin in Istanbul geboren, ging dort auf ein österreichisches Gymnasium und lebt heute in Athen. Neben seiner Krimiserie um den Athener Kommissar Kostas Charitos gehören auch Theaterstücke, Fernsehserien und Übersetzungen deutscher Literatur zu seinem Werk. Er gilt als exzellenter Vermittler zwischen der griechischen und deutschen Kultur. Sein sozialkritischer Blick ist an Brecht geschult, den er neben Goethe und anderen deutschsprachigen Autoren ins Griechische übersetzt hat. So greift er auch auf ein Brechtzitat zurück, um fruchtlose Pläne der Politiker zur Krisenbewältigung zu kommentieren. Die erinnern ihn an die erste Stropfe eines Lieds aus der Dreigroschenoper:

„Ja, mach doch einen Plan
Sei nur ein großes Licht
Dann mach noch einen zweiten Plan
Geh’n tun sie beide nicht.“

Raum+Zeit - über alles, was die beiden füllt: Landschaften, Inseln, Jahres- und Tageszeiten, ...