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6. Dezember in Athen – Trauer und Wut statt Freude und Geschenke

5. Dezember 2015

Gedenken an den getöteten Alexandros Grigoropoulos

Gedenken an den getöteten Alexandros Grigoropoulos in Athen

Am 6. Dezember wird auch in Griechenland der Heilige Nikolaus gefeiert. Bedeutung hat dies jedoch nur für jene, die auf diesen Namen getauft sind, und für Gemeinden mit einer Kirche, die dem Heiligen geweiht ist. Sie feiern ihren Namenstag bzw. ihr panigyri (Patronatsfest).  Als Nikolaus Kostümierte machen nicht ihre Runde und niemand kommt auf die Idee seine Stiefel rauszustellen und zu hoffen, sie mit Süßigkeiten oder Geschenken gefüllt zu bekommen. Die verkitschten Schokoladenpüppchen mit rotem Mantel und pelzbesetzter Zipfelmütze, die es inzwischen auch in griechische Supermärkte geschafft haben und unseren Nikolauspüppchen verblüffend ähnlich sehen, stellen nicht den Hl. Nikolaus, sondern den heiligen Basilis dar, der seinen Tag am 1. Januar hat und dann Geschenke bringt so wie bei uns der Weihnachtsmann.

Statt dessen ist der 6. Dezember in Griechenland ein Tag ein Tag traurigen Gedenkens und wütenden Aufbegehrens.

Am 6. Dezember 2008 traf den 15-jährigen Alexandros Grigoropoulos in Athen eine tödliche Polizeikugel.  Tausende Menschen bezeugten auf den Straßen der Stadt ihre Trauer und Wut über den Vorfall nicht nur in dem Jahr, in dem er geschah sondern alljährlich – bis heute. Dabei kam es auch immer wieder zu Krawallen und Ausschreitungen, beantwortet mit Polizeigewalt.

Doch auch schon viel früher markierten tragische Ereignisse den Monat Dezember in Athen. Unter dem Namen Dekembriana gingen erbitterten Kämpfe im Athen des Dezembers 1944 in die Geschichte ein. Sehr lebhaft ist bis heute die Erinnerung darin in der Stadt geblieben.  Man gedenkt nicht nur der Tausende von Opfer. Vor allem vergisst man nicht das Unrecht, das damals vielen ehemaligen Widerstandskämpfern gegen die Nazis geschah. Rund 12.000 von ihnen wurden in Straflager verschleppt, während ehemalige Nazi-Kollaborateure auf Athens Straßen paradierten. Hauptschuld daran trug ein plötzlicher Strategiewechsel der britischen Besatzer, die nach dem Abzug der Nazis im Oktober 1944 an der Macht waren und sich plötzlich gegen die ehemaligen verbündeten Widerstandsgruppen ELAS und EAM stellten. Denn sie störten sich an deren kommunistischer Gesinnung. Die rechte Ausrichtung der Nationalisten und Royalisten passte ihnen besser in den Kram. Ein profunder Artikel im britischen Guardian nennt das Britanniens „schmutziges Geheimnis“. Für Griechenland bedeutete es einen Bürgerkrieg, der zu eine Trauma wurde, das bis heute fortwirkt in der Literatur des Landes und in den Köpfen und Herzen vieler Menschen. So ist der Dezember vor allem für die Athener ein düsterer Monat nicht allein wegen der tiefstehenden Sonne und den langen Nächten.

Quelle: Englischsprachiger Artikel „Athens 1944: Britain’s dirty secret“ im Guardian  Bildquelle: Foto von Mendhak [Lizenz: CC BY-SA 2.0 ], via Wikimedia Commons

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