Basilikum

19. August 2009

Segens- und Glücksbringer: Basilikum

– Ocimum basilicum minimum (Lamiaceae) –

basilikumSie sind allgegenwärtig: Die kleinen Töpfe mit einem zartgrünen Schopf Basilikum. Dicht, kleinblättrig und duftend sind diese Kräuterschöpfe, die aus Blechbüchsen oder Tontöpfen wachsen. Sie stehen auf Fensterbrettern, Treppen, Armaturenbrettern von Bussen und LKWs, in Schiffskajüten und Fischerbooten. Mal befinden sie sich in heiterer Gesellschaft von farbenfrohen Blumen, die Hauseingänge und Terrassen schmücken, mal trotzen sie einsam in sonst unwirtlichem Umfeld – wie beispielsweise in Werkstätten oder auf hoher See – als einzige, winzige, sich kräftig grün behauptende Oase im kompakten, transportablen Miniformat. Glück und Segen sollen sie bringen. Basilikum gilt als heiliges Kraut und hat als solches weite Verbreitung und lange Tradition.

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Der christlichen Legende nach wuchs es um den Ort der Kreuzigung Jesus von Nazarets auf Golgotha und vor dem leeren Grab Christi. Seine Heimat ist wahrscheinlich Indien, wo es den Namen Tulsi trägt, für die Gegenwart der Gottheit Vishnu steht und auch in der ayurvedischen Medizin seinen Platz hat. Vermutlich kam es über Persien nach Ägypten und ins griechische und römische Reich. Der Name Basilikum leitet sich vom altgriechi­schen basileus ab, was König bedeutet. Zuweilen wird es auch im Deutschen als Königskraut bezeichnet. Neugriechisch heißt es vasilikos. Der Gattungsname Ocimum ist eine latinisierte Version des griechischen Pflanzennamens okimon, mit dem Basilikum bei Dioskurides bezeichnet wird. Man leitet es vom griechischen Verb ozein ab, das riechen bedeutet. Von praktischem Nutzen sind frische, zerriebene Basilikumblätter als Linderung bei Insektenstichen. Auch aphrodisierende Wirkung wird ihm immer wieder zugesprochen. Zumindest soll es beim Zerkauen den Atem verbessern, was ja schon mal Liebesdingen sicher nicht gerade abträglich ist.

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Zitat aus dem Roman „Äolische Erde“ von Ilias Venesis (in der Übersetzung von Roland Hampe), der die Geschichte einer griechischen Kindheit im Schoße einer Großfamilie und die Vertreibung aus Äolien beschreibt, dem heute türkischen Küstenabschnitt, wo Troja und Izmir liegen:

(Auf dem Boot, das die Flüchtlinge nach Griechenland bringt:)

„Die Großmutter war müde. Sie wollte ihren Kopf an die Brust des Großvaters lehnen, der seine Augen auf das Festland gerichtet hatte, ob er dort noch von den Kimindenia etwas unterscheiden könne. Aber es war nichts mehr zu sehen. Die Nacht hatte die Formen und die Linien in sich aufgesogene.
Die Großmutter neigte ihren Kopf, um ihn an die Brust zu lehnen, die sie all die Zeit ihres Lebens beschirmt hatte. Etwas störte sie und ihr Kopf konnte keine Ruhe finden: wie ein Knollen, der unter dem Hemd des Greises lag.
„Was ist das hier“ fragte sie fast gleichgültig.
Der Großvater führte seine Hand dorthin.Er schob sie unter das Hemd und fand den kleinen fremden Körper, der sich an seinen Körper schmiegte und die Schläge seines Herzens hörte.
„Was ist das?“
„Es ist nichts“, sagte schüchtern der Großvater, wie ein Kind, das ertappt wurde. „Es ist nichts. Etwas Erde ist es ..“
„Erde!“
Ja, etwas Erde von ihrem Boden. Um ein Basilikum hineinzupflanzen, sagte er ihr, in dem fremden Land, in das sie zögen. Zur Erinnerung.“

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Leib+Seele - über alles, was es für beide an Griechischem zu genießen gibt