Früchte Griechenlands: Feigen

18. Januar 2016

FeigenKaufen kann man Feigen auch in nördlicheren und westlicheren Gefilden – erleben hingegen kann man sie nur in Griechenland.

Obsthändler beispielsweise in Deutschland und Österreich bieten manchmal importierte frische Feigen an, getrocknete haben vor allem im Winter ihre Saison. In manchen Gegenden, beispielsweise in den Weinanbaugebieten der Pfalz und Frankens, gedeihen Feigenbäume sogar an einem sonnigen Plätzchen – am liebsten mit einer wärmenden Hauswand im Rücken – und tragen Früchte. Manchmal nehme ich mir auch einige getrocknete Feigen aus Griechenland mit oder ein köstliches Glas Feigen in Sirup – oft ein Geschenk von griechischen Freunden, die einen Baum im Garten haben.  Zum unvergesslichen Erlebnis werden Feigen aber nur in Griechenland, wo sich die Bäume mit ihrem interessanten Wuchs, ihren weit ausladenden, sich windenden Ästen und ihren typischen großen, drei- bis fünflappigen, oben fast ledrigen und unten leicht flaumigen Blättern, bereits beim Annähern durch ihren Duft ankündigen. In ihrem Schatten ein wenig zu verweilen und den Duft einzuatmen – ein Genuß. Und dann vielleicht auch gleich noch frisch vom Ast eine der köstlichen Früchte gekostet! Genuß hoch zwei! Doch Vorsicht! – Manchmal sitzen Bienen oder Wespen in den Früchten – vor allem in den ganz reifen, die schon aufgeplatzt sind! Sie Früchte zu nennen ist eigentlich gar nicht korrekt. Es handelt sich um Scheinfrüchte, gebildet von einem Astteil, der zu einer fleischigen Tasche für die Blüten und Samen wird. Die entwickeln sich in deren Innerem, ohne je ans Licht zu kommen. Wenn ich eine Feige esse, kaue ich also verborgene Blüten, die eine einzigartige Textur bilden! Ispirierend! Und gesund obendrein. Vitamin B1 und zahlreiche Spurenelementen und Mineralstoffe wie Kalium, Kalzium, Phosphor, Eisen und Zink stecken in der Feige.
Selbst im Winter braucht man auf Feigen nicht zu verzichten. Sie lassen sich, flachgedrückt und auf einem Rost ausgebreiet und dort täglich gedreht innerhalb ungefähr zehn Tagen hervorragend an der griechischen Sonne  trocknen.
feigenbaumSyko heißt die Feige auf Griechisch. Im Griechischen ist das Wort nicht wie im Deutschen weiblich, sondern sächlich, also:
to syko = die Feige; 
ta syka
= die Feigen im Plural

Die Feige zählt zu den ältesten kultivierten Nutzpflanzen und wird im gesamten Mittelmeerraum angebaut. Im antiken Griechenland gehörte sie zusammen mit Bohnen und Kichererbsen zu den wichtigen, alltäglichen Nahrungsmitteln. Man schrieb ihr aber auch aphrodisische Eigenschaften zu. Sie war dem Gott Dionysos eigen. In Attika hatte er den Beinamen philosykos (Feigenfreund), in Naxos nach der dortigen Bezeichnung für Feige meilichios. Deshalb wurde sein Bildnis oft aus Feigenholz geschnitzt ebenso wie die bei Dionysos-Prozessionen mitgeführten großen Phalli, die Heraklit erwähnte. Die Athener hielten einer Anekdote Plutarchs zufolge die Feigen für so bedeutend, dass sie die Ausfuhr verboten. Leute, die Verstöße gegen dieses Verbot anzeigten, nannte man Sykophanten, was zur Zeit Plutarchs zum allgemeinen Begriff für Denunzianten wurde.

Weitere Früchte Griechenlands:

< Granatäpfel

> Zitrusfrüchte und Kumquat

> Charupi – Johannisbrot

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